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Lea Deutschmann – Adieu Cliché: Mit rosaroter Brille am Herd festkleben

Wurde es dir nicht langweilig ein Jahr lang nur Mama zu sein? Ich liebe meinen Job als freiberufliche Designerin und Illustratorin. Und ich muss gestehen, dass ich schon drei Wochen nach der Geburt meines zweiten Kindes wieder anfing Rechnungen zu schreiben und neun Monate später noch zusätzlich ein Studium begann. Aber ich hätte auch mit gutem Gewissen einfach ,,nur’’ Vollzeitmutti sein können, wie beim ersten Kind. Ich habe das Gefühl, dass wir Frauen oft denken, wir müssten alles gleichzeitig machen, um der Emanzipation gerecht zu werden.  Müssen schnell studieren oder eine Ausbildung machen, die Karriereleiter hoch hinaus, Haushalt  mitwuppen, wenn man will und kann Kinder bekommen, aber bloß nicht zu lange in Elternzeit gehen, weil wir sonst uns selber nicht verwirklichen und am Herd festkleben, engagiert auf allen Parties tanzen und dazu am Besten top gestylt mit den Kindern aus dem Haus gehen und dabei noch entspannt lächeln.

 

Wir verschicken lieber Fotos von lachenden Kindern als von uns, ungeschminkt, dafür mit Augenringen.

Meine persönliche Herausforderung ist es morgens zwei Paar gleiche Socken zu finden und ohne Brei oder Sabber-Flecken bis zur Tram zu kommen. Eltern sein ist einer der herausforderndsten Jobs, vor allem wenn man nebenher arbeitet, studiert oder anders aktiv ist. Darüber wird aber sehr wenig gesprochen, weil man sich nicht über etwas beklagen möchte, dass man freiwillig gewählt hat und wofür andere Generationen gekämpft haben.  Wir verschicken lieber Fotos von lachenden Kindern als von uns, ungeschminkt, dafür mit Augenringen. Familienalltag ist nicht immer rosarot, dafür ist die Brille viel zu sehr mit Brei verschmiert, die Windel schon wieder voll oder man bekommt die Augen vor Müdigkeit schlichtweg nicht weit genug auf.

 

 Ich gebe zu, dass ich schon mal gedacht habe, dass ich es nicht mehr schaffe, aufgebe und mein Kind als Reklamation zurückbringen muss.

 

Vor allem wenn man endlich mal wieder Zeit mit dem Partner verbringen wollte, erst um zwölf ins Bett gegangen ist, es sich aber am nächsten Morgen eindeutig so anfühlt als hätte man durchgemacht. Ich gebe zu, dass ich schon mal gedacht habe, dass ich es nicht mehr schaffe, aufgebe und mein Kind als Reklamation zurückbringen muss. Am besten gleich sofort als Retoure beim Späti. Aber dann lächelt es einen mit seinen zwei Zähnchen an und man ist nur überglücklich und dankbar. Klingt kitschig? Ist aber so.  Das sind die Auf und Abs des Mutteralltags, vor allem wenn man es als Hauptberuf in der Elternzeit macht.

 

Für mich war es die schönste, inspirierendste und anstrengendste Zeit meines Lebens.

In Frankreich und Belgien muss man drei Monate nach der Geburt in den Beruf zurück und arbeitet weiter als sei nichts passiert. Ich frage mich immer wie meine belgischen Freundinnen das schaffen und habe großen Respekt vor ihnen. Ich bin froh die Wahl zu haben mich lange Zeit nur’’ um mein Kind zu kümmern ohne finanziell in Schwierigkeiten zu kommen. What a Luxus! Für mich war es die schönste, inspirierendste und anstrengendste Zeit meines Lebens.  Nie zuvor war ich so glücklich und müde. Dass ich eine Pause im Beruf eingelegt habe und ein Jahr Vollzeitmutti war, habe ich nie bereut, im Gegenteil. Darum haben sich immer nur die anderen in meinem Umfeld Sorgen gemacht und sich mit den Klischees nicht zurückhalten können.

 

Zeit mit seinem Kind verbringen zu wollen, ist das Natürlichste der Welt. Es zu bemuttern, versuchen, dass es behütet mit Liebe aufwächst, heißt nicht gleich eine Glucke oder Helikoptermutter zu sein. Genauso wie man keine Rabenmutter ist, wenn man sein Kind mit 3 Monaten abgeben möchte oder muss. Wir sollten uns mehr untereinander austauschen und den ,Frauen-Leistungsdruckrauslassen, indem wir uns eingestehen wer wir sind und was wir lieben.

Frauen müssen die Freiheit haben, das zu machen, was sie wollen, wann sie wollen, wie sie wollen und wofür, ohne belächelt oder in eine Schublade gesteckt zu werden.

Nur dann leben wir echte Emanzipation.

Eure Lea

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